Podlog #095 2017-04-05

5. April 2017, die 95. Folge. Heute ein paar Notizen zu Adornos Kritischen Bemerkungen zum Beispiel, die mich schon länger faszinieren, und auf die ich mir nur erste lose Ideen habe machen können, fern davon entfernt, sie wirklich durchdacht zu haben. Aber heute fange ich damit zumindest mal an. Zum Beispiel.

Quellen:

  • Adorno, Theodor Wiesengrund. Gesammelte Schriften, Band 6: Negative Dialektik; Jargon der Eigentlichkeit. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1706. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003.
  • Adorno, Theodor W. Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit. Edited by Rolf Tiedemann. 4. Aufl. Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft 1785. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2016.
  • Buch, Robert, and Daniel Weidner, eds. Blumenberg lesen. Ein Glossar. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2103. Berlin: Suhrkamp, 2014.

2 thoughts on “Podlog #095 2017-04-05”

  1. In ganz ähnlicher Weise beschreibt Daniel Dennett die Problematik mit philosophischen Gedankenexperimenten. Er nennt es “intuition pumps”. Er schreibt:
    “A popular strategy in philosophy is to construct a certain sort of thought experiment I call an intuition pump […]. Intuition pumps are cunningly designed to focus the reader’s attention on “the important” features, and to deflect the reader from bogging down in hard-to-follow details. There is nothing wrong with this in principle. Indeed one of philosophy’s highest callings is finding ways of helping people see the forest and not just the trees. But intuition pumps are often abused, though seldom deliberately.”

    Vielleicht kann man den Begriff auf Beispiele, Anekdoten, empirische Studien, etc. erweitern. Zumindest wenn diese den intuitiven Zugang zu einer Theorie bestärken oder belegen sollen.




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  2. Lieber Moritz !

    Es zeigt sich wieder: Müdigkeit ist der stärkste Verstärker. In Müdigkeit kommst Du der Sache am nächsten – „Beispiele nur verwenden, wenn deren Nichtfunktionieren aufgezeigt werden kann!“

    In den davor ausgeführten Bemerkungen zeigt sich die unerhörte Ignoranz der Wissenschaft deren Realitätsbegriff „die empirischeWirklichkeit“ ist, der man sich als Wissenschaftler begrifflich zu nähern hat. Die Frage ist dann, wieweit Anekdoten, exemplarische Fälle, Metaphern und und geeignete Beispiele seien um den hohen Ansprüche der Begriffe zu entsprechen.

    Es ist ganz typisch, dem Wissenschaftler fällt die Kunst gar nicht, die ja auch als Beispiel für begriffliche Aussagen fungieren kann. Beispiele aus der Kunst, oder auch wie in der Kunst das Beispiel – man kann auch sagen das Motiv – eingesetzt wird gibt eine völlig andere Sicht frei auf das Verhältnis Beispiel – Begriff.

    Ja, das Verhältnis dreht sich geradezu um: Kunst als Beispiel bereichert den Begriff in einer weise wie das begriffliche Sprechen es gar nicht kann!

    Was die Müdigkeit einflüsterte ist in der Kunst schon längst mit eingebaut: In der Art der Darstellung des Motivs und im mitreflektieren dieser Darstellungsebene liegt der Inhalt eines Stückes (Bertold Brecht) und nicht im Narrativ.

    Die Frühstücksszene des Ulysses von James Joyce ist eine ganz alltägliche Situation. Der Protagonist Stephen Dedalus rasieren sich, führt diese alltägliche Szenen pathetisch wie ein Hochamt vor, erzählt wird das Ganze wie Alltägliches! So beginnt ein Tag, in dem sich eine ganze Welt eröffnen wird ……….

    Alexander Solchenizyn beginnt den Roman Archipel Gulag mit dem Zitat aus einer naturwissenschaftliche Zeitung, in dem von Funden gefrorener Dinosaurier berichtet wird. Der Wissenschaftler regt sich auf, wieso diese, von den die sie ausgruben beschädigt wurden, Schäden die sich wie Menschenbisse ausmachten……. der Erzähler dazu: Nur wir, die in den Lagern lebten wissen von was der Wissenschaftler berichtet ……..

    Der Anfang des Archipel Gulag ist ein Beispiel für ein Beispiel, in dem in einem Bild die ganze Dimension der Katastrophe des 20ten Jahrhunderts komprimiert wird. Alles begriffliche Erfassen bleibt hilflos hinter so einem Bild zurück!

    Imre Kertész erzählt im „Roman eines Schicksallosen“ wie der Junge die schön gekleideten SS Offiziere im KZ sieht und denkt, wenn die da sind ist alles gut………….

    Hier sind Analysen nicht sinnlos, aber das, was in dem Bild gefasst wird übersteigt diese weit!

    Und und und, wie viele Beispiele gibt es nicht, für die beispiellosen Ereignisse des 20. Jahrhunderts hinter denen alle Analysen verblassen?

    Könntet Ihr Wissenschaftler einmal die ganz Wirklichkeit ins Auge fassen und nicht nur Euren hilflosen Ausschnitt den ihr Wirklichkeit nennt!

    Grüße aus einem Nebel
    in den hinein
    Blütenblätter fallen

    Günter




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