Podlog #063 2017-03-04

4. März 2017, die 63. Folge. Ich habe heute Bücher gekauft, drei Bücher von Marcus Steinweg (Behauptungsphilosophie, Inkonsistenzen, und Splitter), und denke einmal mehr über Bücher nach, über die Frage, warum man heute und wozu ein Buch schreibt, oder wo Bücher heute anachronistisch werden. Ausserdem geht es ums Sprechen, Schreiben, Denken, um Theorieformen und ihre Materialitäten… aber nur am Rande. Und um Akrobatik.

Quelle:

Steinweg, Marcus. Inkonsistenzen. Erste Auflage. Fröhliche Wissenschaft 68. Berlin: Matthes & Seitz, 2015.

Weitere Bücher:

Steinweg, Marcus. Behauptungsphilosophie. Internationaler Merve-Diskurs 287. Berlin: Merve-Verl, 2006.
Steinweg, Marcus. Splitter. Erste Auflage. Fröhliche Wissenschaft 103. Berlin: Matthes & Seitz Berlin, 2017.

One thought on “Podlog #063 2017-03-04”

  1. Lieber Moritz!

    Durch das hochschaukeln des Themas Medienwechsel, gerät auch die Frage von Sprechen, freiem Sprechen, Sprechen in diesem Podlog in Schieflage.

    Hanna Arendt wurde in einem Interview gefragt wie sie schreibt, ob sie lange an Sätzen herumarbeitet, sie unformuliert, bevor sie die endgültige Fassung findet.

    Sie denkt Gedanken so lange durch bis sie Klarheit erlangt, sagte sie, dann setzt sie sich hin und schreibt den Satz so, wie sie ihn gedacht hat und muss daran nichts ändern.

    Das klang für mich so, als würde sie die Gedanken, Begriffe so lange in sich umwälzen, drehen und wenden, bis diese in die richtige Lage gekommen waren und damit auch als Texte hingeschrieben werden konnten.

    Das Verhältnis sprechen, schreiben ist doch letztlich ganz einfach. Es wird etwas so lange gesprochen, laut oder still für sich, bis es sich geordnet hat und dann wird es hingeschrieben und ergibt so einen Text.

    Ein Buch ist dann nur noch ein Schritt weiter in dieser Richtung. Ich denke den Zusammenbau von Texten, komponiere den Ablauf, füge die Groß-, Klein-, Neben- und Haupträume, Gänge und Aborte so zusammen, dass diese in der Zeit durchquert werden können und stelle während der Ausführung einiges um, sobald neue Orte, Unorte sich auftun.

    All das kann ich tun ohne einen Stift zur Hand zu nehmen, das kann ich mir im Stillen erzählen und dann hinschreiben.

    Die Umkehrung, dass Bücher Bücher produzieren, gibt es auch. Sobald ich so denke wie man zu denken hat, möchte man Texte zusammenzubauen, entsteht ein Buch nach Büchern.

    F. Nietzsche schrieb in der Einleitung eines seiner Werke – ich weiß nicht mehr wo – dass, da ihm sein letztes Werk nicht als Buch zur Verfügung steht, es wurde wohl gedruckt, aber, wie ihm berichtet wurde liegt es nicht einmal im Hauptgeschäft des Verlages auf, aus dem Grunde weiß er auch nicht, ob in dem letzten Werk nicht schon viele der dort ausgebreiteten Gedanken niedergeschrieben wurden.

    Was sagt das über das Schreiben?

    Das Hingeschriebene ist nicht so wichtig. Das Denken ist entscheidend auch auf die Gefahr hin, dass der Gedanke schon einmal genauso oder ähnlich niedergeschrieben wurde.

    Aus dem Grund sind uns ganz unterschiedliche Ausführungen, z.B. des Gedankens „der Wiederkehr des Gleichen“, zugänglich.

    Für Nietzsche waren einige Bücher – die mit Aphorismen – wie ein Tagebuch, bei denen es ihm darauf ankam, Gedanken in ihrer Flüchtigkeit zu erfassen, ohne sie im Gefügten (Buch) auf-zu-bewahren .

    Reflektiert das Denken seine Begriffe und Instrumentarien, z.B. die Zeitlichkeit, braucht es nicht um sich selbst zu kreisen, da hätte es schon einiges zu beißen!

    Grüße aus dem Steinigen

    Günter




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