Podlog #061 2017-03-02

2. März 2017, die 61. Folge. Heute notiere ich ein paar Gedanken zu heutigen Schwierigkeiten eine Dissertation zu schreiben; Dissertationen – die Steuererklärung unter den akadmischen Textgattungen… Wie heute noch Dissertationen schreiben? Was für eine Art von Text kann das noch sein? Wie darüber nachdenken? Und welche Bedeutung hat mein Podlog konkret für das Schreiben meiner Dissertation? Alles Fragen, die ich nicht heute beantworte sondern vor allem notiere, um sie weiterverfolgen zu können.

2 thoughts on “Podlog #061 2017-03-02”

  1. Hey Moritz!

    Alltagsbeobachtungen sind meist irrelevant, Du weißt doch, alles was wir wissen haben wir von den Massenmedien. Das nur nebenbei.

    A. Avanessian ist ein künstler, da er sätze schreibt die sich gut anhören (der rilke styl ;)) G. Lierschof ist ein wissenschaftler, da er gedächnissstützen herstellt.

    Das ist wahrscheinlich etwas erklärungsbedürftig.

    Mit der erfindung des vokalalphabets gelang die verbindung der oralen sprache mit der materiellen welt. Nun konnte man informationen aufdauerstellen. Geschichte wurde möglich, das Denken linear. Im Wettstreit mit den alten oralen mythen wurden texte selber heilig. Dabei vergaß man die eigentliche funktion als gedächnisstütze. Bibiliotheken endstanden, als tempel des wissens man begann, sie als eine über den Menschen schwebende transzendenz anzusehen. Paulus schrieb auf griechisch und unsere westliche kultur war geboren.
    Wir identifizieren uns als “Subjekte” (untertanen) einer “immateriellen” bibliothek, als in der welt der erscheinungen verschobende. Im inneren finden wir die unsterbliche seele, den geist oder was auch immer, eine art prozessorkern, der die erworbene Information speichert oder verarbeitet und an die bibliothek weiterleitet. Wir haben hier also eine Idiologische Verdinglichung des kulturellen Gedächtniss.
    Heute werden Informationen völlig andere verarbeitet. nur eins noch, das lineare denken hat ausgespielt und damit auch der “mensch”. wir sind raus, oder wieder am beginn. wer kann das schon sagen?

    gute nacht und schrieb deine doktorarbeit aufjedenfall zu Ende. Kannst ja ehe behaupten, was du willst, alles unüberprüfbar. nur die form waren, Steuererklärung halt.
    mfg pete




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  2. Lieber Moritz!

    Nachtrag zur Frage der Zeit

    Bei Armen Avanessians Miamification gehen, wie bei den meisten Menschen alle möglichen Zeitbegriffe durcheinander. AA huscht speedig darüber hinweg und kommt mit verwurstelten Zeitschlingen dann doch irgendwo an…………….

    Um mich nicht selbst zu sehr zu verschlingen einige Nachklänge:

    Meine Behauptung, „Es gibt keine Zukunft!“ – der Satz stammt nebenbei von Bazon Brock – stellt sich der naive Auffassung entgegen, Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft wären gleichwertige Zeiteinheiten die genannt werden können, wenn etwas war, ist oder sein wird.

    Letzteres sagt, was von mir behauptet wird: Es wird sein, IST aber nicht. Das „Sein-werden“ ist ein Entwurf (J.P. Sartre), eine Vorstellung, ein Konstrukt, eine Fiktion usw. das Teil der Gegenwart ist.

    „Zukunft gibt es nicht“ heißt, sie findet nie statt, außer in unseren Vorstellungen, Wünschen, Plänen, Zielen, Ängsten, Erwartungen, im Begehren (u.a. J. Lacan).

    Als diese sind bestimmende Element der Gegenwart. Bei den französischen Philosophen ist das Begehren – Désir – sogar der bestimmende Faktor von Gegenwart.

    Das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart wiederum ist ein ganz anderes:
    Vergangenheit wird vergegenwärtigt, muss vergegenwärtigt werde um als Vergangenheit zu existieren ( mindestens schematisch). Gegenwärtigkeit ist Vergangenheit sobald sie als Gegenwart betrachtet wird.

    Der Augenblick und das, „Es ist“, oder allgemeiner, „das Sein“ ist das, wo die drei Tempi ihren Platz und ihre unterschiedlichen Qualitäten ausbilden.

    „Das Dasein ist sich immer voraus“ (M.Heidegger) und „Dasein ist immer schon da“, sowie: „Wir finden uns, Ich finde mich im Dasein vor“ sind einige der eigentlichen Bestimmungen für Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft.

    Das Gewicht, das in unserer aktuellen Zeitgeschichte auf Zukunft gelegt wird – positiv( Medienwechsel) wie negativ( Angst vor Terror) – ist eine Spiegelung des Vergessens jener Geworfenheit die das Klima der Nachkriegszeit bestimmte. Der Existenzialismus war ein nicht unwesentliches Element, das den damaligen Aufbruch mit motiviert hat.

    Zu dem Punkt: Ich sei kein Künstler sonder Wissenschaftler.

    Mich haben immer alle Fachleute, Künstler, Techniker, Pädagogen, Psychologen, Kunstvermittler, Soziologen…………..genervt, die nur so weit denken, wie sie es für ihr Fach brauchen, um ihre Arbeit, Methoden usw. begründen zu können.

    Die Denken als Garnie ansehen. In einer Ausstellungseröffnung musste dann mindest ein Derrida-Zitat enthalten sein und alle anderen Termini, die gerade ganz angesagt sind, man/frau markiert sich als bedeutend und wieso auch mehr?

    Die Ver-Fachschulung, die Ver-flachschulung der Welt ist das Ergebnis dieses Ansteckdenkens, das, in dem man sich Begriffe ansteckt den Betreib ansteckt.

    Auch wenn ich im Denken oft etwas schwerfällig bin will ich den Begriffen auf den Grund gehen, bis dorthin, wo die Abgründe sich auftun und wo es dann erst richtig komisch wird!

    Und die Kunst? Die ist dann doch noch etwas ganz anderes!

    Seiltanz ist mein Disziplin
    das Seil zwischen Hochhäusern
    oder über Berge gespannt

    Günter

    Bitte unterschätze nicht Alltagsbeobachtungen, auch wenn sie nicht sofort sinnbringend schein mögen, sind sie im Beschreiben gute Denkübungen.




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