Podlog #055 2017-02-24

24. Februar 2017, die 55. Folge. Ich habe auf einer umständlichen Zugfahrt weiter in “Miamification gelesen”. Nicht nur aber auch den Eintrag vom 23. September – und mir dazu ein paar Gedanken gemacht. Was heisst es, Phänomene an ihrer eigentümlichen Zeitlichkeit zu beobachten? Sind Phänomene gar ihre eigentümliche Zeitlichkeit? Gibt es einen Unterschied zwischen einem Phänomen und seiner Zeitlichkeit? Was sieht ein spekulatives Denken, das auf diese neuartige Zeitlichkeit fokussiert? Ich habe heute vor allem Fragen…

Quelle:

Avanessian, Armen. Miamification. Berlin: Merve Verlag, 2017.

One thought on “Podlog #055 2017-02-24”

  1. Lieber Moritz!

    In so einer Situation scheint es so als müsste ich mich entschuldigen, dass ich um einige Jahre älter bin und sagen kann:

    Auch diese Fragilität, diese an sich selbst festgestellte Sensibilität, die gar keine ist, geht vorbei und wird sich als das, was sie ist, die Sehnsucht im Zeitgeist aufzugehen, erkennbar machen.

    Um in der Frage nach Zeit nicht völlig ins trudeln zu kommen können ontologische Überlegungen weiterhelfen.

    Das, was Armen Avanessian (so ein Märchenname) Zukunft nennt, das einem „aus der Zukunft entgegenkommt“ ist nur in dieser Zeit- bzw. Zeichenkonstruktion Zukunft.

    Hier werden vergangene und gegenwärtige Daten, denen ein gleichbleibender Parameter (oder mehreren die zusammengeführt werden) unterlegt ist genommen, um vergangene Varianten in die Zukunft zu extrapolieren.

    Die Unsicherheiten, die den bisherigen Verfahren der Extrapolation anhaftete, wurden durch Turingmaschinen und die dazugehörigen Algorithmen voraussagegenauer – mehr nicht!

    Auch wenn, wie in dem Fall der schwangeren Tochter, wo der PC vor dem Vater von deren Schwangerschaft wusste, die Voraussage zutreffen mag, auch wenn alle mögliche Schwangerschaftskomplikationen noch einberechnet werden, ist das nicht IST, sondern kann das IST bestimmen.

    Die Frage ist doch, auf was trifft diese Konstruktion von Zeit und Zeitzeichen?

    Nicht nur auf Intellekt, Denken und andere Zeit- Zeichenbestimmungen, sondern es trifft auf die Mitte des Menschen, wo Denken, Fühlen, Wollen zusammenkommt, was auch Emotionalität genannt werden kann.

    Die Frage ist, welchen seelisch gesellschaftlichen Erregungsgrad ( Peter Sloterdijk) können solche Informationen entwickeln und wie werden diese Informationen verstärkt ?

    H. G. Wells hat 1938 in seinem Hörspiel „The War of the Worlds“ mit dieser emotionalen Erregbarkeit gespielt, wobei die Presse hier heftig mitgespielt hatte, indem wie sie die Wirkung bedeutend überhöhte.

    Wie vielfältig, bis heute dieses Spiel sich entwickelt hat muss ich Dir nicht sagen.

    Adolf Hitler und Joseph Göbbels konnte mit der Erregbarkeit des Publikums auch schon brillant spielen und, er hat damit Wirklichkeit erzeugt.

    Zurück:

    Die sprachliche Möglichkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen können und die menschenferne abstrakte Zeitachse unserer Zeitrechnung ist nicht der ontologische Begriff von Zeit, ist auch nicht jener Zeitbegriff der sich aus der dialektischen Verschränkung ergibt.

    Der ontologische wie der dialektische Zeitbegriff ist ein völlig anderer, wie das naive
    Zeitverständnis unserer vereinbarten Zeit.

    Um das abzuhandeln bräuchte ich aber Zeit, die ich jetzt nicht habe!

    Grüße aus den sonnigen Bergen

    Günter




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