Podlog #028 2017-01-28

28. Januar 2017, die 28. Folge. Das Thema des Publikums hat mich heute noch weiter beschäftigt. Schon auch, weil die Twitterdiskussion mit Stefan und Christian weiterging. Und so ging auch meine Nachdenken darüber weiter. Jetzt nicht weiter im Sinne eines Weiterkommens, aber immerhin im Sinne einer neuen Folge, eines neuen Nachdenkens… wohin mich das auch führen mag.

One thought on “Podlog #028 2017-01-28”

  1. Lieber Moritz!

    Das ist ja alles gut was Du da sagst, aber gestern wie heute dachte ich mir: „Ganz schön naiv!“ und dann kam mir auch das Wort „Selbstgerecht“ in den Sinn, das sich mit dem Wort „naiv“ verband und der Selbstgerechtigkeit so seine Schärfe nahm.

    Da Du ein Selbstgespräch – wie Du es nennst – öffentlich führst, kommt der Hörer nicht umhin all das, was er an Selbstgesprächen kennt mitzuhören.

    Meister der Selbstgespräche sind Samuel Beckett („Malone stirbt“ Roman), Peter Handke könnte hier auch genannt werden, wieso nicht auch Jean-Paul Sarte mit seinen Theaterstücken (zB. „DasSpiel ist aus“) und da Du es dein 28.ter Prodcast ist gehören die Anfechtungen der 40 Tage in der Wüste nicht auch hierher?

    Und natürlich gehören die unzähligen Selbsterfindungen von Erzählern hierher – die Erzähler genannt werden, weil sie erzählen und nicht Bücher drucken – die ihr Selbst im Erzählen erfunden haben. Als Beispiel – neben den obigen – möchte ich hier nur Paul Nizon anführen.

    Die Frage nach dem Publikum lenkt geschickt die Frage des Anderen nach außen ab und verstellt die Frage des Anderen im Selbst, das mit „Gesellschaft“ eher banalisiert wird.

    Im Lutherjahr kommt mir natürlich auch Luther als Meister des Scheiterns am Selbstgespräches in den Sinn, der sich und seinen Augustiner Beichtvater mit Selbstzweifeln gequält hatte.

    Und es kommen mir auch die Sphinxe in den Sinn, die auf dem Weg zu den ägyptischen Tempeln aufgestellt waren und mit ihrem zweideutigen Lächeln den Tempelbesucher vor dem, was auf ihn zu kommen warnt, denn er nähert sich Gott ( er nähert sich dem dem Selbst).

    Nur weil wir heute das Selbst auf die biedermeierhafte Lächerlichkeit (Gesellschaft) verniedlicht haben, heißt es nicht, dass das Selbst nicht immer noch die gleiche Gewalt besitzt, die uns in der Hiop-Erzählung, in den Versuchungen der vierzig Wüstentagen, im Golgathaerlebnis und und und vorgeführt werden.

    Um bei den Bilder zu bleiben, gehört zur Frage des Selbst unabdingbar das Bild von
    Francisco de Goya „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ hierher. Zeigt es doch welche Wirkung die Vernunft auf das Selbst hat, welche Wirkung der Andere in einem Selbst hat!

    Man könnte auch Lacan erwähnen, aber ich belasse es mit dieser Aufzählung.

    Mit lieben Grüßen aus den Bergen!

    Was hilft es bei Formalien (Tschüss) genau zu sein
    und vom Wesentlichen abzusehen?

    Günter




    0



    0

Kommentare? Fragen? Widerpruch? Links? Bitte gerne...