Podlog #035 2017-02-04

4. Februar 2017, die 35. Folge. Heute gibt es nur einen winzigen Nachtrag zu gestern, eine Stelle von Adorno über Dialektik und die Unmöglichkeit einer Einzeldefinition der Dialektik. Das muss für heute genügen. Morgen dann wieder mehr.

One thought on “Podlog #035 2017-02-04”

  1. Lieber Moritz!

    Der Satz „Unwort des Jahres – Dialektik“ ist von mir in einer Zeichnung auf Twitter gestellt worden. Meine Aussagen als Künstlers, Performer haben immer etwas verschmitztes und sind nicht wörtlich zu nehmen. Schon gar nicht handelt es sich dabei um wirkliche Verbote!

    Die Idee zu der Zeichnung kam mir, als ich hörte, wie Du in der noradioshow das Wort Dialektik verwendet hast.

    Sicher ist Sprachhygiene der völlig falsche Ansatz um der Dialektik ihre Dialektik wiederzugeben.

    Zeichnungen sind wie Fingerzeige – schau Mal!

    Auslöser für die Zeichnung war aber mein eigener Zugang zu Hegel, indem ich den Begriff Dialektik weitgehend auszuweichen suchte um die Gedankenbewegung selbst, die mit dem Wort gekennzeichnet wird zu begreifen.

    Dabei wurde mir mit der Zeit klar, aus welchen Gründen, meine Abneigung dem Begriff gegenüber berechtigt ist. Mir wurde immer deutlicher, dass erst wenn ich den Begriff der Negation bei Hegel verstehe, mir auch die Bewegungen, von der Negation zur Negation der Negation, von der bestimmen Negation zur unbestimmten Negation und deren verschiedenartigste Varianten einsichtig werden.

    Die Gefahr des Begriffes Dialektik besteht darin, dass in ihm unterschiedlichste Momente, die klar voneinander zu trennen sind in einem Wort, in dem Begriff Dialektik gefasst werden, damit aber auch ungenannt bleiben!

    Ich hatte instinktiv mein Interesse auf die Negation bei Hegel gerichtet und als ich diese Gedanken in einem Vortrage Bazon Brock, der ja Schüler von Adorno ist vortrug, und dabei nie das Wort Dialktik verwendet, dagegen immer wieder über Negation sprach fiel das positiv auf. BB meinte, Dialektik ist doch nur ein Wort dafür, dass die Negation der Negation nicht unendlich fortgesetzt werden kann, sondern diese zu einem Abschluss gebracht werden muss und das wird dann Dialektik genannt. Eine wiederum sehr nüchterne Darstellung….

    Warum ist es so wichtig den Begriff Dialektik in seine Momente aufzufächern?
    Da in dem Vorgang der Negation der Negation diese ganz eigentümliche Umkehrung des Vorher und Nachher geschieht, eine Bewegung die mir ganz wesentlich für das Denken von Hegel erscheint.

    Ein Vorgang, der viele einzelne Momente in sich trägt, die getrennt zu betrachten sind.

    In der Negation der Negation wird das Unvermittelte, das Ursprüngliche, der Anfang im Nachhinein gesetzt, dadurch bekommt es ein unvermitteltes, ursprüngliches, anfängliches Sein.

    Der Einschluss des Ausgeschlossenen geht in dem Wort Dialektik unter…………. und das Widersprüchliche rückt in den Vordergrund.

    Mit dem Wort wird zu schnell etwas erfasst und dabei geht wesentliches ( das Eingeschlossene des Ausgeschlossenen) unter:

    Das Verbot schafft das Verbotene,
    im Inzesttabu findet die Geschlechterprägung statt,
    die Wildheit und Natürlichkeit der Wilden ist ein Ergebnis des Kolonialismus,
    im Konsumzeitalter wird der Konsum zum Problem,
    das Zeichen und das Bezeichnete………….
    um nur einige Beispiele zu nennen.

    Grüße aus
    den Schneebergen

    Günter




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