Podlog #341 2017-12-07

7. Dezember 2017, die 341. Folge. Kurze Überlegungen zu den Möglichkeiten der Entwicklung eines widersprüchlichen Sprechens und Schreibens, das die gerade so spannenden Brüche nicht dem Formprinzip wissenschaftlicher Texte opfert. Im Hinblick auf eine Form experimentellen Arbeitens gefragt…

One thought on “Podlog #341 2017-12-07”

  1. Moritz!!

    Aber jetzt, hör ich richtig!?

    Da hat der junge Mann 341 mal geübt frei einen Gedanken zu entwickeln und hat nicht begriffen, dass das freie Sprechen heute ein Muss für jeden Vortrag sein sollte?

    Begriffen hätte er es schon, aber wie soll er es machen, bestimmen doch Werte akademischer Texte noch stark sein Denken?

    Diese können und dürfen natürlich nicht Massab für einen frei im Denkenden Sprechen entwickelten Vortrag sein.

    Der, der sich so einem Vortragsstil selbst aussetzt muss sich gewahr sein, dass er nicht den Erwartungen der meisten Zuhörer entspricht, er andererseits aber den stillen Dialog mit dem Publikum bedarf, um frei Sprechen zu können.

    Er muss dauernd das Publikum im Auge und Gemüt haben, es für sein Sprechen einnehmen, es über Pausen, Brüche, über Schweigen und über eine Unruhe in der oder jenen Ecke das Saals hinwegführen ….dh. Er muss im Sprechen den Vortrag so umbauen, dass er der Situation, die sich gerade ergibt entspricht ……er muss auf Zwischenrufe gefasst sein und diese in seine Rede einbauen können …….

    Wir haben das bei Bazon Brock immer geübt. Du kannst Dir seine Reden anhören und wirst erkennen, wie er sie aufbaut.

    Was man immer einzurechnen hat sind: Phasen der Langeweile, Sprechzeiten die der Rener braucht um, da er sich verlaufen hat er wieder zum Thema, zum Anlass zurückfinden können muss…usw.

    Nicht Argumente sind der Leitfaden, sondern Bilder die der Redner aneinnader reiht, große Bilder die von anderen Bildern umstellt werden, Ihnen gegenübergestellt werden, die von einer anderen Sicht beleuchtet werden…..

    Wie Du sagst, kannst das nur Du selbst für Dich üben. Aber geübt kann es werden und man muss den Vortrag, den ganzen, immer wiederholt laut sprechen, bevor man ihn vorträgt ist. Nach meiner Erfahrung, die einzige praktikable Möglichkeit.

    Dieses laut Sprechen ist viel wesentlicher wie einen Text zu schreiben. Nach meiner Erfahrung lenkt das Text schreiben nur ab. Nur wenn Du Jahre der Erfahrung mit frei gesprochenen Texten hast kannst Du so einen Text vielleicht schreiben……sofern das überhaupt geht.

    Interessant ist, wenn man das bildhafte Sprechen gelernt hat ließt man Texte völlig anders und erkennt in Texten, dass diese rhetorisch gebaut sind, dass sie mit großen Bildern arbeiten und den Leser an die Hand nehmen und ihn durch das Textgelände führen.

    Der frei sprechende Redner ist nämlich immer auch der Vermittler seines Textes den Zuhörern gegenüber. Der einen Text vorliest muss das nicht, für diesen ist der Text das Ganze. Für den frei Sprechenden ist das EREIGNIS das zwischen Publikum und ihm stattfindet das entscheidende.

    Schau Dir Helge Schneider an, er ist der Meister dieses Faches!
    Wie er das Publukum bis zum zerreißen in Spannung hält, da kann jeder Philosoph, Soziologe und Professor noch viel lernen!

    Grüße aus Biielefeld
    Bin zum 90. von Luhmann hier.

    Hab die Berge und den Zeichenstift mit!

    Günter

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