Podlog #274 2017-10-01

1. Oktober 2017, die 274. Folge. Aus gegebenen Gründen und auf eine Nachricht von Günter hin, denke ich heute über einen kleinen Text von Avanessian nach: “Uni(verselle) Depression: Forschen am Rande des Nervenzusammenbruchs” aus Überschrift. Fragen zur Selbstkritik, dem Schutz der Institution (Uni, aber auch: Buch!), dem Scheitern, und vor allem: zu einer überschreibenden Praxis (oder eben: übersprechend).

One thought on “Podlog #274 2017-10-01”

  1. Lieber Moritz Klenk,

    wenn ich Ihnen zuhöre, fallen mir einige Zeilen aus Ludwig Feuerbachs Vorwort zu “Das Wesen des Christentums” ein:

    „Wahrheit ist die Grenze der Wissenschaft. In demselben Sinne, als sich die Freiheit der deutschen Rheinschifffahrt jusqu’ à la mer, erstreckt sich die Freiheit der deutschen Wissenschaft jusqu’ à. la vèritè. Wo die Wissenschaft zur Wahrheit kommt, Wahrheit wird, da hört sie auf, Wissenschaft zu sein, da wird sie ein Objekt der Polizei – die Polizei ist die Grenze zwischen der Wahrheit und Wissenschaft.“

    „Ratlosigkeit im Kopfe, Tatlosigkeit im Herzen – Wahrheits- und Gesinnungslosigkeit, kurz, Charakterlosigkeit ist daher jetzt die notwendige Eigenschaft eines echten, rekommandabeln, koschern Gelehrten – wenigstens eines solchen Gelehrten, dessen Wissenschaft ihn notwendig in Berührung mit den delikaten Punkten der Zeit bringt. Aber ein Gelehrter von unbestechlichem Wahrheitssinne, von entschiedenem Charakter, der eben deswegen den Nagel mit einem Schlage auf den Kopf trifft, der das Übel bei der Wurzel packt, den Punkt der Krisis, der Entscheidung, unaufhaltsam herbeiführet – ein solcher Gelehrter ist kein Gelehrter mehr – Gott bewahre! – er ist ein »Herostat« – also flugs mit ihm an den Galgen oder doch wenigstens an den Pranger!“

    Feuerbach hatte sich da schon mit seinen “Gedanken über Tod und Unsterblichkeit” die akademische Karriere verbaut. Daher sein Brast auf die Uni. Aber wenn man weiß, wie die Polizei an der Grenze zwischen Wahrheit und Wissenschaft organisiert ist, welchen Regeln sie folgt, (was Soziologen, eigentllich auch Luhmann, wissen müßten) dann könnte es gelingen, einige Wahrheiten in der Diss über die Grenze zu schmuggeln.
    Viel Glück dazu wünscht
    herzlich
    Wolfgang Eßbach




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