Podlog #197 2017-07-16

16. Juli 2017, die 197. Folge. Ein paar Notizen zu einem Gespräch mit Christina über die Bedeutung des Praktischen fürs Denken, die Frage, inwiefern in Gesprächen und Selbstgesprächen Denken heute noch einmal neu entwickelt werden muss, woran solches Denken auch anschliesst, was aber möglicherweise dennoch eine neue Qualität für wissenschaftliches Arbeiten sein kann, wenn letztlich heute zum ersten Mal diese Form des Denkens aus seiner Vorläufigkeit oder seinem Beiwerkcharakter sich befreit und selbst den Status eines ernstzunehmenden Textes und einer Arbeit beansprucht.

One thought on “Podlog #197 2017-07-16”

  1. Na, ich sag’s doch, Platon lesen beziehungsweise Sokrates kennenlernen…:-). Es ist in der Tat das erste Mal, dass ich deinen Podcast höre, wenn das mal kein Zufall ist! Da ich den Inhalt der anderen Beiträge nicht kenne, könnte es sein, dass du meinen Gedanken, der mir gerade einfiel, schon hundertmal verbraten hast. Sei’s drum: Du kennst ja auch die kurze Hannah-Arendt-Vorlesung zu Sokrates, wo sie diesen bezüglich seiner noch nicht vollzogenen Trennung von Sprechen und Denken ja deutlich von Platon und der nachfolgenden Tradition des “einsamen” “apolitischen” Philosophierens abgrenzt. Ein wichtiger Gedanke scheint mir diesbezüglich derjenige zum Wahrheitsbegriff des Sokrates zu sein: Das Gespräch wird geführt, nicht gegen die Meinung des anderen, trotz der Meinung des anderen oder NUR um seine jeweilige Meinung zu sagen, sondern um die Wahrheit IN der Meinung des anderen sich zeigen zu lassen. Ohne die Meinung, die sich im Gespräch artikulierende jemeinige Perspektive wäre die Wahrheit nicht, gleichzeitig geht es um das in der Meinung, was das Wahre ist. Arendt identifiziert dieses Wahre explizit mit dem Praktischen; das Wahre ist bei ihr ja letztendlich das, was uns allen gemeinsam ist, kurz: Welt. Im Miteinander-Sprechen und im Selbstgespräch als Variante dieses’ scheint also Welt auf, und zwar, wie du in dem Beitrag gesagt hast, ganz praktisch, in die Form des Mediums integriert. Geschriebene Texte hingegen können, wenn sie nicht an Gespräche oder Selbstgespräche sich binden, weltlos oder bloß formal, abstrakt, weltförmig sein… Grüße aus dem altbekannten ICE:-), Christina




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