Podlog #166 2017-06-15

15. Juni 2017, die 166. Folge. Heute ein paar Nachträge zu Noras Kommentaren zur Beleidigungsfolge. Schon wieder so spannende Fragen, und ich noch immer ohne gescheite Antworten, nur vorsichtig unvorsichtig vor mich hin notierend. Und auf die Utopiefrage muss ich auch endlich mal zurück kommen…

(Die Bild Text Schere… heute schon ein bisschen extrem, geb ich zu…)

4 thoughts on “Podlog #166 2017-06-15”

  1. Was soll die Diskussion in einem Podcast zu Beleitigungen?

    Kann diese Frage denn überhaupt allgemein geführt werden?

    Darüber zu sprechen in einem Podcast kann nur Selbstbestimmung im Sinn

    von: “meine Moral ist” werden und kann letztlich nur zu Verhaltensregeln

    führen, denen ich zustimmen kann, die mir mein WIR sagen:

    ” ich will mir meine Utopie nicht nehmen lassen”.

    Interessant, dass Du ein Beispiel aus einem Film zitierst, damit einer mediale

    Vermittlung der Frage der Beleidigung, was keine Beleidigung ist und somit auch

    nicht als solche zitiert werden kann, da es schon Beleidigung darstellt!

    Die Beleidigungsdiskussion ist das Beispiel eines ausschließlich

    “argumentierenden Denkens”, das permanent Behauptungen aufstellt, die dann

    argumentativ verteidigt werden.

    Auch die Machtargumentation ist mächtig, sehr mächtig!

    Grüße

    Günter




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    1. Da stimme ich überhaupt nicht zu. Zu nichts davon, um genau zu sein. Weder ist es einfach moralisch (im Sinne wie hier gebraucht), denn ich sage ja nicht: tu dies, tu jenes, (natürlich in ich-Botschaften korrekt versteckt…) sonst halte ich dich nicht für einen guten Menschen, oder du verfehlst sonst das gute Leben, die gute Sitte, oder was immer… im Gegenteil!
      Die Kritik an der Utopie meint genau diese Kritik an einer Moral, die ein “gutes Leben im falschen” vorstellt und dann zur individualisierten Handlungsorientierung anempfiehlt. Das ist das Ausmass heutiger Ideologie, das ist nicht zuletzt, wogegen eine “Minima Moralia” anschreibt; und das ist, worauf sich mein Plädoyer für, mein Verständnis von verbaler Gewalt, von vulgärer Sprache bezieht – als “Minima Guerilla”.

      Zum anderen ist es kein Argument, zu zeigen, dass Beleidigungen auf strukturelle Gewalt reagieren (können) und damit sich Gewaltverhältnisse weit über die ‘vulgäre Sprache’ in einem konkreten ‘Kontext’ hinausgehend, bzw. diesen erst überhaupt ihren Sinn verleihend ausdrücken.
      Der Film ist dann auch kein blosses “Beispiel” – ein Begriff, den ich seit ich Adornos Kritik dazu kenne (und sein Rekurs auf Kant und Hegel zu diesem Zweck), nur sehr ungern verwende – denn es ist nicht ein konkreter Fall eines ‘Allgemeinen’ (das Allgemeine, die Kategorie, den abstrakten Begriff der Gewalt oder was immer nur “exemplifizierend”), sondern die Darstellung (!) eines ganz Konkreten, die mehr als nur einer nichtdialektischen, traditionellen Logik bedarf, um die Zusammenhänge zu verstehen. Hier verdient sich auch die Arbeit Žižeks mit Filmen, die eben darum m.E. nicht Filme als Beispiele präsentiert, sondern in diesen denkt, als Form der Darstellung, ohne die (nicht zwingend genau DIE, aber ohne irgendeine geht es nicht) der Gedanke eben nicht gedacht werden kann.

      Wenn überhaupt tritt der Eindruck des Argumentativen aufgrund der notwendigen Verkürzungen auf, die dem Format geschuldet sind; und, weil wir allen Austausch unterschiedlicher Ansichten als Argument zu bezeichnen gewohnt sind. Das ist aber bei Adornos “nichtargumentativ” nicht gemeint. Da ist mir der Verweis auf Kunst lieber, auch wenn ich mit der “unbegründeten Setzung” nicht einverstanden bin. Das ist zumindest nicht hinreichend: nicht alles, was unbegründet gesetzt ist, ist nichtargumentativ. Oft genug sind es gerade die Setzungen, die dann in Argumentationsaufwand befestigt werden müssen. Nichtargumentativ wäre ein Denken, das sich selbst setzt und als bereits gesetzt erkennt. Ich denke aber, da sind wir inhaltlich nicht auseinander.

      Herzliche Grüsse aus den unbewegten sogenannten vier Wänden (die praktisch immer mehr sind…)
      Moritz




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      1. Gut!

        Eine Ebene des Sprechens über eine Verhaltensweisen, wie die der Beleidigung, ist immer auch appellativ. So war mein etwas ausschließender Hinweis gemeint.

        Sicher kann das Phänomen der Beleidigung gut herangezogen werden um die “scheinheilige”, oder auch naive Moral eines “friedlichen Zusammenlebens”, an dem sich jeder beteiligen sollte kenntlich zu machen.

        Beleidigungen, Beschimpfungen sind nicht Teil einer strukturellen Gewalt, sondern Ausdruck der Widersprüchlichkeiten, in denen wir leben, die uns einzwängen, die wir nicht erkennen aber irgendwie spüren und ihnen irgendwie Ausdruck verleihen müssen.

        Sie gehören auf die Ebene der Provokation, die von Kunst, von politischen Äußerungen, die uns einzelne Lebensschicksale aufzeigen, welche Ausdruck der Zwänge sind in denen wir leben, die uns aber nicht sichtbar sind, die wir irgendwie spüren…….!

        Damit sind Beleidigungen nicht entschuldbar und auch nicht verständlicher.

        Verhaltensformen: ” Du sollst jemanden nicht beleidigen”, sind Umgangsformen und erleichtern den Umgang miteinander. Sie sind nicht Ausdruck von Friedlichkeit oder Friedfertigkeit, es sind Formen die ihre moralische Gültigkeit selbst In-Frage-Stellenwert, indem sie sagen : “Die Ausnahme bestätigt die Regel”.

        Wer sich an die Etikette hält ist nicht moralisch besser und nur der beherrscht die Etikette, der weiß sie zu brechen ( Oskar Wild).

        Die Darstellung zweiter Ebene – Herr Medientheoretiker – ist immer mitzudenken. Die Beobachtung der Beobachtung hat die Beobachtung erster Ordnung zu reflektieren (N.Luhmann) ……man kann nicht naiv davon ausgehen, dass wenn Gewalt dargestellt wird, Gewalt vermittelt wird.

        Wie etwas dargestellt wird, ist die Botschaft des Mediums und nicht was…………

        Jetzt werd ich ausfällig!

        ……………..Wissenschaftler bleiben wohl immer naive Realisten, die meinen es ginge um Wahrheit, wo doch heute alles Lüge – mit anderem Wort, Kunst – ist!

        Grüße

        Zurück von Kassel in die schöne Weite der Berge!

        Günter




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