Podlog #106 2017-04-16

16. April 2017, die 106. Folge. Heute nur ein paar kurze Nachträge zur Folge gestern und dem Text von Hans Blumenberg… was heisst Nachdenklichkeit als lebensweltliche Grundlage des Denkens? Was ist das Verhältnis von Nachdenklichkeit und methodisch diszipliniertem strengen Denken? Was meint Blumenberg mit der Verhinderung der Nachdenklichkeit im Dialogischen? Ein paar Fragen notiert, keine Antworten, zumindest keine befriedigenden.

One thought on “Podlog #106 2017-04-16”

  1. Lieber Moritz!

    Ich vermute die Unterscheidung Exkurs – Diskurs schwindelt einem über die Frage der Sprache hinweg die immer etwas anspricht, ausspricht, aufruft, anruft, die immer auch Zuruf, Anrufung, Anbetung ist, auch wenn deren Praxis uns fern scheint.

    Lässt uns nicht ein verzwecktes Verständnis von Sprache die Unterscheidung Denken versus Nachdenklichkeit finden?

    Das Selbstgespräch ist doch immer ein Gespräch mit dem SELBST, mit dieser höheren Einheit des Ich, mit dem der mit sich selbst identisch ist? Das SELBST, das der Theologe als die Beschreibung Gottes sah?

    Wenn ich zu mir, oder mit mir, wenn ich laut sprechend nachdenke und mich beim Sprechen selbst höre werde ich zu jenem SELBST, in dem die ganze Geschichte der SELBSTWERDUNG mitspricht, in Form des Gewissens, der Moral, Ethik und und, dem großen Anderen, wie Lacan es nennt.

    Beobachtest Du dich selbst, kannst Du das SELBST ganz schwer sehen, würde Lacan sagen, nur in Ungereimtheiten blitzt ganz kurz diese gewaltige Differenz auf, zwischen dem der mit sich selbst ident ist und dem Ich das sich da ausspricht.

    Diese Differenz ist weder durch Strenge noch durch Methodik zu überspringen, sie wahrzunehmen und zu respektieren kann nur erübt werden – vermute ich?

    Da bin ich bei einem zweiten Punkt:

    Die Differenz von Denken und Nachdenklichkeit, drückt sich diese nicht gesellschaftlich in der Zahl derer aus, die dabei sind und denen die abgehängt, ausgeschieden werden?
    Die gelernt haben auf was es ankommt und denen die den Leistungsdruck, die die „Vertikalspannung“ (Sloterdijk) nicht mehr aushalten.

    War das nicht immer schon so, frage ich mich, sehe ich mir die Geschichte des Mönchstums an ( vom Bilderstreit 8. Jh. bis zur Klosterauflösung unter Joseph II), das in allen Zeiten der Herrschaft missfallen musste, da es eine Lebensform institutionalisierte in der auf den Ausgleich diese Vertikalspannung gesellschaftlich nicht zugegriffen werden konnte?

    Früher schlossen sich Menschen, die mit den gesellschaftlichen Erwartungen nicht zurechtkamen einem Orden an, heute gehen sie ins Gefängnis, nehmen sich einen Choatch, machen Kunst, sind arbeitslose Akademiker oder fallen sonst wie aus dem System aus!

    Ich will damit sagen, die Frage nach dem Selbstgespräch ist keine private, kein rein erkenntnistheoretische Frage sondern ist immer ein Spiegel des Sozialen.

    Nur sofern ist es interessant darüber nachzudenken – zur Selbstbeschau geht man dann doch lieber in die Oper!

    Das SELBST scheint mir der Brückenbegriff zwischen dem, was ich an mir erlebe und dem was gesellschaftlich zu beobachten ist !?

    österliche Grüße
    aus Innsbruck

    Günter




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