Podlog #091 2017-04-01

1. April 2017, die 91. Folge. Ich notiere meine Beobachtungen zum gerade zu Ende gegangenen Workshop zu Terrorismus aus systemtheoretischer, formkalkül- und fuzzy logischer Sicht in Witten, der gestern und heute stattfand. Vor allem notiere ich ein paar für mich sehr erstaunliche und kritische Punkte: die Missachtung der Massenmedien, die logizistische Perpektive (mit erstem auch verbunden), und die Fokussierung auf islamischen Terror. Ebenfalls notiere ich ein paar Überlegungen zur gnadenlosen Indifferenz des Terror als konstitutives Element (des Diskurses), die das Phänomen zugleich zum Freiheitskampf so schillernd auftreten lässt. Alles recht frische Eindrücke… was davon halten wird, keine Ahnung. Vielleicht nichts.

2 thoughts on “Podlog #091 2017-04-01”

  1. Lieber Moritz !

    Ich verstehe Deine Aufregung, wenn beim Thema Terrorismus auf den Stellenwert der Massenmedien heute nicht explizit eingegangen wird.

    Ich musste während des Zuhörens immer an den Terror der vom Staat ausgeht denken, vom Willkürterror der Diktatoren und sogenannter Revolutionen,

    sowie an das Gewaltmonopol des Staates,

    aber auch an das Sozialmonopol, das dem Staat zugewiesen wird und das auch in einem Zusammenhang mit Terror (z.B.: rechten Terror) gesehen werden kann.

    Daran, wie wirksam das Verschweigen von Terror bei Stalin und unter Hitler war und dessen Stillschweigen bis heute nachwirkt.

    Es ist wie ein Spiegelphänomen des Verschweigens des Anteils der Massenmedien am Terror der Gegenwart.

    Aber auch an den Terror der u.a. in Amerika davon ausgeht, dass der Besitz von Waffen als Bürgerrecht erster Ordnung angesehen wird.

    Abgesehen davon erlebe ich den Straßenverkehr immer wieder als potentielle Terrormaschine die oft mühsam in Zaum gehalten wird, aber nicht wenige Opfer erbringt.

    Und was ist mit dem Wutpotential das sich die AfD auf die Fahnen schreibt, das sie für sich beanspruchen, als wäre es nicht eine Gleichgewichtfrage die sich in der modernen Gesellschaft insgesamt stellt.

    Ist jemand auf die Opfertheorie von René Girard eingegangen („Das Heilige und die Gewalt“ Patmos) ?

    Wurde über diese Punkte nicht gesprochen oder kamen sie nur in deinem Bericht nicht vor?

    Grüße aus einem Morgen

    mit aufgehender Sonne

    und Vögeln, die den Tag noch

    weitgehend alleine besingen.

    Günter L.




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  2. Die Frage, was den Terrorismus so scheinbar indifferent macht, halte ich für entscheidend. Der sogenannte Rechtsterrorismus zeichnet sich ja dadurch aus, dass er eben nicht indifferent ist. Seine Opfer sind Migranten, Flüchtlinge und Antifaschisten. Eventuell könnte man noch Behörden, die für Asyl- und Migrationsvorgänge verantwortlich sind als Betroffene ansehen. Einen Grossteil der Bevölkerung betrifft das nicht. Keine Bedrohung, kein Terror.
    Nebenbei bemerkt, ist auch der NSU eigentlich für die Zeit seines Bestehens kein Terror gewesen. Wenn überhaupt war er nur rechten Kreisen und Sicherheitsbehörden bekannt und diese wurden durch ihn nicht bedroht. Der Terror entstand sozusagen erst nach seiner Auflösung, als er in seiner konkreten Ausprägung des NSU schon wieder beendet war.
    Auch beim religiös motivierten Terror würde ich widersprechen, dass dieser sich potentiell gegen alles und jeden richtet. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass der IS Anschläge in einem Dorf oder einem Kindergarten oder einer Almhütte durchführen wird. Damit er eine große Wirkung hat, wird er sich wohl nur gegen bestimmte Ziele richten. Ein Teil der Bevölkerung wird sich im Prinzip nie an solchen Orten befinden, weshalb diese Menschen nicht konkrete Ziele des Terrors sind und nur mittelbar von ihm betroffen (bspw. durch Eingriffe in ihre Privatsphäre durch Sicherheitsbehörden).
    Das wirklich Indifferente an solchem Terror kommt meines Erachtens durch eine andere Funktion zum tragen (und dabei spielen die Medien eigentlich die Hauptrolle). Er ersetzt die alltäglichen Terrorismen mit denen sich jedeR in seinem Alltag auseinanderzusetzen hat. Dem Jobcenter-Terror, dem Arbeitsplatz-Terror, dem Aktienkurs-Terror, dem Gesundheits-Terror oder dem “Wird es meinen Nachkommen gut gehen”-Terror. Diese konkreten Terrorismen werden durch einen abstrakten Terror überspielt, an den alle gleichermaßen glauben und vor dem alle gleichermaßen Angst haben.
    Insofern ist auch Deine Frage: “Ist das denn jetzt wirklich so wichtig, dass wir uns da so intensiv mit beschäftigen müssen?” mehr als berechtigt, wie ich finde.




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