Podlog #058 2017-02-27

27. Februar 2017, die 58. Folge. Ich lese aus “Miamification” weiter, heute vom 24. September und notiere ein paar (sehr müde und spärliche, eigentlich zerstreute, weil in Gedanken wo völlig anderes…) Überlegungen im Anschluss. Was meint nun diese eigentümliche Zeitlichkeit der Phänomene im Falle der Unterscheidung gegenwärtiger Zukünfte und zukünftiger Gegenwarten? Was die Fixierung der Medien heute (!) auf drohende Zukünfte statt vergangene Geschehnisse? Und was kann man eigentlich durchschauen, wenn das Phänomen Trump dann doch nur in den Narrativen gekauft wird?

One thought on “Podlog #058 2017-02-27”

  1. Lieber Moritz !

    „Aus der Zukunft kommend“ klingt wahnsinnig toll, ist ontologisch aber ein völlig sinnloser Satz!

    Armen Avanessian denkt in Miamification so kompliziert wie jemand der mit der rechten Arm über den Hinterkopf greifend das linke Ohr kratzt und dann bemerkt, dass es viel einfacher gehen würde mit der linken Hand das linke Ohr zu kratzen.

    Was er mit der Poetisierung der Gegenwart fordert ist ontologisch gesehen Gegenwart, ist das SEIN in das die Verantwortung über dieses Sein eingeschlossen ist. Sein ist das verantwortliche bezugnehmen auf Zukunft.

    Eine aus der Zukunft kommendes gibt es nicht, da die Zukunft ontologisch im permanent gegenwärtigen Sein pulsiert. Die Gegenwart der Zukunft ist immer Jetzt, während die Zukunft der Gegenwart die Vorstellung, nur die Vorstellung ist, die wir in der Gegenwart von der Zukunft ausbilden.

    Nietzsche erzählt in Zarathustra von der Wegkreuzung und dem Erleben der permanent Gegenwärtigkeit des Augenblicks, in dem Zukunft und Vergangenheit zusammenlaufen.

    Wieso liegt Avanessian falsch, wenn er doch mit der Poetisierung der Gegenwart genau dort ankommt wo die Ontologie beginnt?

    Weil bei ihm dauernd Begriffe vermischt werden: Der gebräuchlich Begriff von Zukunft (zukünftige Terrorangriffe) wird mit dem Zeitbegriff selbst verwechselt und Gegenwart, als Begriff von Gegenwart mit unserer Gegenwart, als zeitdiagnostischer Begriff, im Sinne eines gegenwärtigen Lebensgefühls.

    Der Unterschied zwischen dem ontologischen Begriff von Gegenwart als Dasein, im Unterschied zu einer geforderten Poetisierung der Gegenwart, besteht darin, dass ersteres behauptet es ist so und wir können es auch so sehen, zweite Behauptung Herstellung suggeriert, wie Du ja auch in dem Zusammenhang von Poiesis sprachst.

    Oder anders: Wenn zuerst ein nüchternen scheinobjektiver Zeitbegriff vorausgesetzt wird, muss irgend wann später die ethische Komponente mit angefügt werden.

    Ontologisch wird anfänglich vom jeweiligen DASEIN ausgegangen das von Anfang an die Verantwortung für dieses Dasein in sich schließt.

    Krass ausgedrückt ist DASEIN immer auch Geworfen-sein in die Welt, ist, in die Welt gestellt sein, als in ihr stehend, einen Standpunkt einnehmend, ob man will oder nicht.

    Günter




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