Podlog #038 2017-02-07

7. Februar 2017, die 38. Folge. Ich denke über den Satz von Bertolt Brecht nach: “Erkenntnistheorie muss vor allem Sprachkritik sein”. Die Themen und Fragen der letzten Tage verweben sich, oder ist es mein Denken, dass sie bindet? Die Frage des Denkens, Erkennens, Sprechens, der Kritik, der Sprachkritik und das unter den Bedingungen einer solchen “Öffentlichkeit” wie der heute, eines solch kaputten Diskurses… wie sieht eine solche Sprachkritik aus? Was heisst es heute über Brecht, Adorno, Benjamin, usw. zu denken?

3 thoughts on “Podlog #038 2017-02-07”

  1. Lieber Moritz !

    Wenn Du Negation nur als ein formales + – verstehst, dann hast Du gar nichts von
    D i a l e k t i k begriffen !!!

    NEGATION, ist eine gewaltige Kraft die sich im Persönlichen (Freud/Lacan) sowie im Sozailen bemerkbar macht. Wer dies nicht sehen will hat sich aller aller Grundlagen beraubt,
    D i a l e k t i k begreifen zu können.

    Die Unterschiede und die Ähnlichkeiten beide Negationsformen ( im Persönlichen wie im Gesellschaftlichen) zusammen zu sehen, ist die große Leistung von Slavoj Zizek.

    Nur in der NEGATION meldet sich das Zurückgedrängte!

    Nur in der Verdrängung kann das Verdrängte sich zeigen, wenn überhaupt!

    Anders ist Hegel ist Freud nicht zu lesen – da kannst Du kopfstehen!

    Grüße aus den steilen und gefährlichen Bergen

    Günter




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    1. Lieber Günter,

      keine Sorge, da hast du mich falsch verstanden. Ich sehe das schon, nur äusserte ich Bedenken gegenüber der Art, wie der Begriff der Negation gegen den der Dialektik ausgespielt wird, wie der eine bevorzugt werden kann, während der andere als verwässert, ungenau, blumig, oder alles mögliche gelten soll… Das war mein Problem. Und hier sehe ich eine starke, sozial, kulturell und psychisch ‘grassierende’ Überschätzung von nach Formalismen tönenden Begriffen gegenüber scheinbar altmodischen, unbequemen Begriffen. Ich denke, wir sind uns hier vielleicht nicht ganz uneinig über das Ziel, jedoch anderer Ansicht über den Weg: den Begriff der Negation dem der Dialektik vorzuziehen ist eine Art Selbstbetrug und Mystifizierung via einer scheinbaren ((formal)logischen) Präzisierung. Als könnte man auf Negation alles ‘reduzieren’. In einem formallogischen Sinn ist es auch bei Hegel zunächst ‘nur’ Negation, ein Nein, eine Unterscheidung. Wenn man diesen Begriff dann wieder so aufgeladen verwenden will, dass man mit ihm die gesamte Dialektik aufgerufen wissen möchte, dann lügt man sich doch in die Tasche. An solcher Sprachpolitik habe ich kein Interesse. Kurz: man kann ruhig den einen lieber als den anderen Begriff verwenden, aber nicht die Begriffe gegeneinander ausspielen. Wenn man das doch tut, dann sind die jeweiligen Präferenzen meines Erachtens höchst fragwürdig. Im Fall der Präferenz für die Negation (gegen Widersprüche, gegen Dialektik, gegen Kritik, usw.) erklärt sich diese Präferenz wiederum meiner Beobachtung nach aus einer zur Zeit verbreiteten Präferenz für Berechnung, Klarheit, Algorithmen, Operatoren, usf. Dieses ganze Geschäft mit dem Sinn ist heute dagegen sehr unbeliebt, weil ‘messy’…

      Aber nur damit ich das nicht wieder falsch ausdrücke: ich beziehe mich hier nicht auf dein Verständnis von Negation (das ich, ausführlich, nicht kenne, und soweit du es in deinen Kommentaren schon dargestellt hattest, vermutlich teile). Das hat damit aber nichts zu tun. Auch wenn du es anders verstehst und anders verstanden haben willst, ist meines Erachtens diese formallogische Berechnungssehnsucht der “Beigeschmack” (oder für Hegel auf Schwäbisch: “Gschmäckle“) dieser Präferenz, der nicht unterschlagen oder ausgeblendet werden darf. Diesen Beigeschmack halte ich für weitaus problematischer (weil zeitgeistiger und dadurch ideologisch, fast unbeobachtbar, verfestigt) für dialektisches Denken als die Unschärfe eines in die Alltagssprache der Feuilletons diffundierten Dialektikbegriffs.

      Ich hoffe, das trägt zur Klärung bei.
      Pass auf dich auf in den steilen und gefährlichen Bergen!

      Herzliche Grüsse, Moritz




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      1. Lieber Moritz!

        Ja, vielleicht entlastet die schriftliche Replik deinen Podlog.

        Ich habe versucht am Beispiel des Rock&Rolls die gewaltige Kraft der Negation, die das
        Verdrängte aufdrängt darzustellen, aber um nicht missverstanden zu werden, gehört hier auch jenes Phänomen behandelt, das ich den “permanent gehaltenen Dadaismus der Gegenwart” nennen möchte,

        der im jugendlichen Verlachen, im dadistischen Spiel von Comedian und mehr oder weniger guten Harald-Schmidt-Kopien Negation betreibt, ohne nur die geringste Vorstellung davon zu haben wie sehr das System – und damit meine ich den Kapitalismus – gerade diese Art der moralischen Negation bedarf um seinen sarkastisch-realistischen Betrieb weiter aufzuheizen.

        So sehr ein Sarkassmus, wie er in Österreich unter dem Namen “Grissemann und Stermann ” beliebt ist und oft nahe an der Wahrheitist zu sein scheint, so weit ab ist er!

        In der Kunst ist das noch viel krasser zu erleben: Dadismus ist ja ihr Fach!

        Da hat der Dadismus solche Blüten angesetzt, dass nur etwas hype werden kann, das unbegründbar – im Sinne des Wortes, Blödsinn – ist. Nur dadurch ist die Voraussetzung gegeben höchste Preise zu erzielen. Beim Blödsinn ist der Käufer der einzige der durch seinen Kauf dem Ding Wert gibt!

        Das ist inzwischen die gängige Praxis am Kunstmarkt geworden – der Preis macht den Wert!

        Diese vordergründige Dadaismus, der bis in die Kleidung, Einrichtung, Gestik und im Lebenstil der Gegenwart seinen Ausdruck gefunden hat, ist – wenn ich es so sagen darf – die auf der Strecke gebliebene Negation, die in ihr Gegenteil verkehrte Negation.

        Dass dieser Umdrehung alle Negationen ausgesetzt sind – wie ja am Beispiel Rock&Roll bestens durchzuspielen wäre ist hier anzumerken.

        Diese Schein-Negation soll aber nicht über die Kraft der Negation selbst hinwegtäuschen.

        Ich sehe die aktuelle Gegenwart als eine große Herausforderung, die vor sich gehende Nagation, begrifflich denkend zu erfassen.

        Die Gegenwart gibt diese Steilvorlage vor!

        Alles, was mit mit der aufkommenden Rechten bezeichnet wird, sind Zeichen einer gewaltigen Negation, die nur, indem sie erfasst wird bewältigt werden kann!

        Grüße aus den felsigen Schluchten.

        Günter




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